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Europäische CO₂-Zertifikate
Seit ich in der Lage der Nation den Beiträg über die Löschung von CO₂-Zertifikaten gehört habe, ist dies mein bevorzugtes persönliches Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. Allerdings sehe ich das Konzept oft der Kritik ausgesetzt, dass durch die Vernichtung nicht wirklich CO₂ eingespart werden würde. Ich möchte deshalb hier einmal die Funktionsweise des CO₂-Zertifikate-Markets in Europa erklären und Antworten auf die üblichen skeptischen Fragen geben.
Gesetzliche Grundlagen
Das Konzept des europäpischen Zertifikatehandels für CO₂-Emissionen gibt es mit dem EU-ETS 1 seit 2005. Es ist in der europäischen Richtlinie 2003/87/EG geregelt: Für gewisse Emissionen von CO₂ müssen seit dem Zertifikate eingelöst werden. Diese bekommen die emittierenden Unternehmen und Institutionen entweder vom Staat geschenkt oder sie müssen sie kaufen.
Erfasste Emissionen
Die Betreiber:innen folgender Anlagen müssen Zertifikate für das emittierte CO₂ einlösen:
- der innereuropäische Luft- und Seeverkehr
- Feuerungsanlagen mit einer Feuerungswärmeleistung über 20 MW (ausgenommen Anlagen für die Verbrennung von gefährlichen oder Siedlungsabfällen)
- Mineralölraffinerien
- Kokereien
- Röst- und Sinteranlagen für Metallerz (einschließlich Sulfiderz)
- Anlagen für die Herstellung von Roheisen oder Stahl (Primär- oder Sekundärschmelzbetrieb), einschließlich Stranggießen, mit einer Kapazität über 2,5 Tonnen pro Stunde
- Anlagen zur Herstellung von Zementklinker in Drehrohröfen mit einer Produktionskapazität über 500 Tonnen pro Tag oder von Kalk in Drehrohröfen mit einer Produktionskapazität über 50 Tonnen pro Tag oder in anderen Öfen mit einer Produktionskapazität über 50 Tonnen pro Tag
- Anlagen zur Herstellung von Glas einschließlich Glasfasern mit einer Schmelzkapazität über 20 Tonnen pro Tag
- Anlagen zur Herstellung von keramischen Erzeugnissen durch Brennen (insbesondere Dachziegel, Ziegelsteine, feuerfeste Steine, Fliesen, Steinzeug oder Porzellan) mit einer Produktionskapazität über 75 Tonnen pro Tag und/oder einer Ofenkapazität über 4 m3 und einer Besatzdichte über 300 kg/m³
- Industrieanlagen zur Herstellung von
- Zellstoff aus Holz und anderen Faserstoffen
- Papier und Pappe mit einer Produktionskapazität über 20 Tonnen pro Tag
Laut Umweltbundesamt sind das ca 9.000 Anlagen im Geltungsbereich der Richtlinie.
Zusätzlich sind inzwischen auch der innereuropäische Flug- sowie Seeverkehr erfasst.
Erzeugung der Zertifikate
Jedes Jahr werden neue Zertifikate ausgegeben. Die Anzahl der neu ausgeschütteten Zertifikate wird jährlich reduziert. Die Formel dafür wurde das letzte Mal 2023 angepasst. In der Formel spielt der duchschnittliche jährliche CO₂-Ausstoß der Periode 2008 bis 2012 in Höhe von 1.954.705.227 t CO₂ eine wichtige Rolle. Wir definieren für unten . Die Formel lautet:
- 2021: 1.571.000.000 neue Zertifikate
- 2022 bis 2023: Jedes Jahr wird die Anzahl der neuen Zertifikate um 2,2% von gegenüber dem Vorjahr reduziert
- 2024: Die Anzahl der neuen Zertifikate wird um 4,3% von und 90.000.000 gegenüber dem Vorjahr reduziert und 78.400.000 erhöht1
- 2025: Die Anzahl der neuen Zertifikate wird um 4,3% von gegenüber dem Vorjahr reduziert
- 2026: Die Anzahl der neuen Zertifikate wird um 4,3% von und 27.000.000 gegenüber dem Vorjahr reduziert
- 2027: Die Anzahl der neuen Zertifikate wird um 4,3% von gegenüber dem Vorjahr reduziert
- ab 2028: Die Anzahl der neuen Zertifikate wird um 4,4% von gegenüber dem Vorjahr reduziert
Damit werden 2039 das letzte Mal neue Zertifikate ausgegeben. Bis dahin ergibt sich heute eine Gesamtmenge an noch auszugebenen Zertifikaten (gerechnet ab 20242) von 11.612.704.343 Zertifikaten.
Man kann sehen wie viele Zertifikate momentan im Umlauf sind. Heute sind es Zertifikate für den Ausstoß von 1.968.066.490 Tonnen CO₂. Damit ergibt sich folgende Prognose2 für die noch zur Verfügung stehenden Zertifikate:
| Jahr | Verringerung | Neue Zertifikate | Gesamtzertifikate |
|---|---|---|---|
| 2024 | 95.652.325 | 1.389.340.645 | 3.357.407.135 |
| 2025 | 84.052.325 | 1.305.288.320 | 4.662.695.456 |
| 2026 | 111.052.325 | 1.194.235.996 | 5.856.931.451 |
| 2027 | 84.052.325 | 1.110.183.671 | 6.967.115.122 |
| 2028 | 86.007.030 | 1.024.176.641 | 7.991.291.763 |
| 2029 | 86.007.030 | 938.169.611 | 8.929.461.374 |
| 2030 | 86.007.030 | 852.162.581 | 9.781.623.955 |
| 2031 | 86.007.030 | 766.155.551 | 10.547.779.506 |
| 2032 | 86.007.030 | 680.148.521 | 11.227.928.027 |
| 2033 | 86.007.030 | 594.141.491 | 11.822.069.518 |
| 2034 | 86.007.030 | 508.134.461 | 12.330.203.979 |
| 2035 | 86.007.030 | 422.127.431 | 12.752.331.410 |
| 2036 | 86.007.030 | 336.120.401 | 13.088.451.810 |
| 2037 | 86.007.030 | 250.113.371 | 13.338.565.181 |
| 2038 | 86.007.030 | 164.106.341 | 13.502.671.522 |
| 2039 | 86.007.030 | 78.099.311 | 13.580.770.833 |
| 2040 | 86.007.030 | 0 | 13.580.770.833 |
Footnotes
-
Die Erhöhung kommt durch die Einbindung des Seeverkehrs in das System. ↩
-
Ich konnte nicht herausfinden, ob die Zertifikate für 2024 schon ausgegeben worden sind, noch ausgegeben werden oder über das ganze Jahr verteilt werden. Der errechnete Wert ist in diesem Sinne eine obere Grenze für den tatsächlichen Wert. ↩ ↩2